Systematisches Energiemanagement – leicht gemacht
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Energiespartipp von Andrea Seibold, Energie-Expertin der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim
„Betriebe, die Druckluft verwenden, sollten die Abwärme von Kompressoren sinnvoll nutzen. Wartungstechnisch ist wichtig, das gesamte System regelmäßig auf Leckagen zu überprüfen und sie zeitnah zu beseitigen. Ein sinnvolles Lastenmanagement verringert die Kosten immens; Einsparpotenziale bis zu 30 Prozent sind möglich.“
Energie-Spar-Tipps im Internet
Mit einem umfangreichen Informationsangebot unterstützt die „Initiative EnergieEffizienz“ – eine Gemeinschaftsaktion der großen deutschen Stromversorger, der Bundesregierung und der Deutschen Energie-Agentur - insbesondere mittelständische Unternehmen bei der Senkung der Energiekosten: zum Beispiel mit einem Leitfaden zum Energiemanagement, mit Broschüren zu Querschnittstechnologien wie Druckluft und Pumpen, mit Online-Tools zum Abschätzen von Einsparpotenzialen oder mit der Dokumentation von Referenzprojekten.
Alle Infos finden Sie unter
www.industrie-energieeffizienz.de für Industrie und Gewerbe
sowie unter www.energieeffizienz-im-service.de für den Dienstleistungsbereich.
Energiesparen im Unternehmen
Energiepreise im Höhenflug: Um rund 50 Prozent haben sich Strom, Öl, Gas und Co. im Schnitt in den vergangenen zehn Jahren verteuert. Doch Unternehmen können gegensteuern, mit Energiesparmaßnahmen, die gar nicht teuer sein müssen.
Energieeffizienz ist das Zukunftsthema in deutschen Unternehmen. Die Umfrage der Deutschen Energie- Agentur hat Entscheider aus Industrie und Gewerben dazu befragt und das bestätigt. Aufgrund der Wirtschaftskrise investiert zwar aktuell nur noch jedes dritte produzierende Unternehmen in Deutschland in die Energieeffizienz des eigenen Hauses. Doch nach der Krise wollen über 60 Prozent der befragten Unternehmen hier aktiv werden. Nachholbedarf besteht vor allem bei Kleinen. „Die Unternehmen rechnen mit steigenden Strompreisen und suchen nach Lösungen, um Kosten zu sparen.“ Dabei wollten sie verstärkt auf Energieeffizienz setzen, auch wenn sie zurzeit noch nicht die Mittel dafür aufbringen könnten, sagt Steffen Joest von der Deutschen Energie-Agentur.
Kleine sparen am meisten
Das Potenzial beim Energiesparen im Unternehmen ist enorm. Auch das belegt die zitierte Umfrage: Nach eigenen Angaben sparen die Unternehmen mit Maßnahmen zur Energieeffizienz durchschnittlich 15 Prozent ihrer Energiekosten. Investitionen belaufen sich im Schnitt auf 30.000 Euro. „Nach unseren Erfahrungen amortisieren sich die Maßnahmen in der Regel nach zwei bis drei Jahren“, heißt es bei der Energie-Agentur. Die Umfrage zeigt auch: Kleine Unternehmen profitieren überdurchschnittlich stark von einer Steigerung der Energieeffizienz: Sie sparen im Schnitt fast ein Fünftel bei der Strom-, Wasser- und Heizungsrechnung. Allerdings ist dort die Bereitschaft, mehr in Energieeffizienz zu investieren, noch am geringsten ausgeprägt: Nur knapp jeder vierte Betrieb mit weniger als 50 Mitarbeitern nahm in den vergangenen zwölf Monaten Geld in die Hand, bei den großen Betrieben mit hohen Energiekosten ging über die Hälfte diesen Schritt. Nach der Krise wollen in diesem Segment sogar fast 90 Prozent aller Großen investieren.
Irlbacher dreht den Ölhahn zu
Welch enorme Spareffekte Investitionen in die Energieeffizienz haben können, zeigt das Beispiel Irlbacher Glas GmbH in Schönsee. Der Glashersteller im Landkreis Cham hat jetzt im wahrsten Sinne des Wortes den Ölhahn zugedreht: Trotz vergrößerter Produktionsfläche gelang es dem Unternehmen, seinen jährlichen Heizölbedarf von etwa 143.000 auf rund 54.000 Liter zu verringern. Möglich wurden die Einsparungen durch einen energieeffizienten Hallenbau, die Nutzung der Maschinen-Abwärme zum Heizen und eine ausgeklügelte Wärmerückgewinnung.
Heizöl wird nur noch dann benötigt, wenn die Produktion am Wochenende ruht oder an extremen Wintertagen. Welche Argumente gaben für Geschäftsführer Günther Irlbacher den Ausschlag? Neben den stark gestiegenen Heizölpreisen und den gesetzlichen Vorgaben der Energieeinsparverordnung war es auch der Umweltschutz: Die neuen Anlagen mindern den CO2-Ausstoß um mehr als die Hälfte, sparen Betriebsstoffe wie Wasser und Schmiermittel und reduzieren die Abfallmenge.
„Die Bedeutung des Themas Energieeffizienz ist heute schon groß und wird in Zukunft noch weiter wachsen“, sagt der Neumarkter Unternehmer und Energieexperte Stefan Rödl. Der Vizepräsident der IHK Regensburg macht dafür vor allem zwei Faktoren verantwortlich. „Zum einen kann ich bares Geld sparen und mir als Unternehmen wirtschaftliche Vorteile verschaffen, zum anderen ist Energieeffizienz auch ein Imagethema“, so Rödl. Es sei wichtig, dass Unternehmen damit etwas für den Umweltschutz tun könnten. „Aber das wichtigste Argument für Unternehmen bleibt der wirtschaftliche Aspekt.“
Wie teuer wird die Energie der Zukunft?
Von welchen Prognosen sollen Unternehmen ausgehen, wenn sie heute in die Energieeffizienz von morgen investieren? Stefan Rödl beobachtet den Energie- und Rohstoffmarkt seit vielen Jahren. Er ist überzeugt, dass Öl und Gas noch weit länger als die zurzeit prognostizierten 45 Jahre reichen. „Der Grundirrtum liegt in der Annahme, dass die Vorräte an Öl und Gas statisch sind. Öl reicht nach diesen Prognosen noch etwa 45 Jahre, Gas etwa 60 Jahre. Daraus entwickelt sich die Vorstellung, dass diese Energieformen nur noch eine sehr begrenzte Zeit zur Verfügung stehen und sie daher zwangsläufig immer teuerer werden würden“, sagt Rödl.
Dabei werde eines vergessen: Diese Jahresangabe ist kein zeitlicher, sondern ein wirtschaftlicher Faktor. Soll heißen: Die jährlich neu hinzukommenden Ressourcen, die Neufunde, übersteigen noch immer den steigenden Mehrverbrauch pro Jahr. Zudem gehe man bei der Reservenbetrachtung von den heutigen technischen Fördermöglichkeiten und Kosten aus. Außerdem gibt es noch vermutete Vorkommen. „Dynamische Modellberechnungen gehen zum Beispiel davon aus, dass Öl und Gas noch 300 Jahre reichen“, erklärt Rödl.
Gas, Öl und Strom noch teurer
„All diese Argumente sprechen absolut nicht gegen eine schonende Nutzung von Energie, aber sie sind wichtig für eine ernsthafte Diskussion“, so der Neumarkter Unternehmer. Seine Prognose: Die Preise für Öl und Gas werden weiter steigen, aber nicht in dem Maße, wie bisher prognostiziert, sondern sehr viel moderater. „Das Problem ist allerdings, dass sich an den Ölbörsen die Preise nicht mehr nach Angebot und Nachfrage regeln, sondern durch Spekulation“, erklärt Stefan Rödl. Auch er ist überzeugt davon, dass Öl und Gas ersetzt werden – allerdings nicht aus Knappheitsgründen, sondern vielmehr durch den technischen Fortschritt. Für den Strommarkt prognostiziert der Experte langfristig eher steigende Preise, unter ande- rem durch die teuren Subventionen für erneuerbare Energien. „Dem hingegen werden die Preise für erneuerbare Energien durch eine größere Verbreitung und die technische Vervollkommnung in Zukunft wohl eher fallen“, glaubt Rödl. In jedem Fall stehe für ihn aber unabhängig von künftigen Entwicklungen fest: „Die Unternehmen sollten jetzt die Chance auf geringeren Energieverbrauch nutzen, weil es um einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil geht, auf den langfristig keiner verzichten kann.“
Ihr Weg zu mehr Effizienz
Wo lässt sich in meinem Unternehmen Energie sparen? „Unternehmer, die diese Frage beantworten wollen, sollten an den Anfang aller Anstrengungen eine genaue Analyse des Ist-Zustandes stellen“, sagt Andrea Seibold, Energieberaterin bei der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim. Zu diesem Zweck könne beispielsweise eine Arbeitsgruppe gegründet werden, die den Verbrauch des Unternehmens in den vergangenen Jahren unter die Lupe nimmt. Bei der Bestandsaufnahme können die Mitarbeiter zudem animiert werden, sämtliche elektrischen Geräte in ihrer Abteilung zu erfassen. „Zur Ermittlung weiterer Daten kann bei den meisten Stromanbietern eine Verbrauchsanalyse angefordert werden“, weiß die Energie-Fachfrau, die zahlreiche Unternehmen in der Region bei diesem Prozess begleitet. „Gemeinsam sollten dann Einsparziele und Einsparmaßnahmen festgelegt werden“, so Seibold.
Oft könnten bereits durch Aufklärungsarbeit enorme Effekte erzielt werden. Einige Unternehmen haben bereits Energiebeauftragte benannt, die den Verbrauch und die Fortschritte bei der Energieeffizienz überwachen oder ein Prämiensystem ausarbeiten, das den effizienten Ressourceneinsatz belohnt. Denn nicht selten scheitert mehr Energieeffizienz an der Meinung, dass Sparen Verzicht bedeute, dass man mit seinem eigenen Verhalten sowieso wenig beitragen könne und Energiesparen nur ein technischen Problem der Hersteller sei. „Wir wissen heute, dass das nicht stimmt“, sagt Andrea Seibold. Die IHK-Energieberaterin arbeitet eng mit anderen Experten in der Region zusammen, die Konzepte zur Wärmerückgewinnung, energiesparenden Beleuchtung und technischen Optimierung erstellen.
Spartipp Nummer 1: Beleuchtung
Viele Unternehmen stellen sich die Frage, wo sie anfangen sollen, um den Energiespar- Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen. Mancher Energieberater gibt dazu einen ganz einfachen Rat: „Kopf hoch!“ Denn an den Decken hängen oft schon lukrative Einspar- Quellen: „In fast jedem Unternehmen schlummern bei der Beleuchtung Sparpotenziale von bis zu 30 Prozent“, weiß IHK-Energieexpertin Seibold. Je nach Ausgangslage lassen sich die betrieblichen Energiekosten sogar halbieren. Kein unerheblicher Faktor: 40 Prozent der elektrischen Energie in Büro- Gebäuden wird für die Beleuchtung aufgewendet. Großes Potenzial sieht die Energieberaterin auch in großen und hohen Hallen, wo oft in vielen Metern Höhe die Deckenbeleuchtung beinahe unbemerkt und wenig effizient vor sich hin brennt. „Viel besser ist es, darauf zu verzichten und die Arbeitsplätze zu beleuchten, wo das Licht wirklich gebraucht wird.“ Sie empfiehlt den Unternehmen auch tageslichtabhängige Beleuchtungskonzepte: Präsenz- und Zeitschaltuhren könnten helfen, viel Energie einzusparen. „Wir im Unternehmen tauschen gerade die komplette Beleuchtung aus – gegen moderne LEDs“, sagt IHK-Vizepräsident Stefan Rödl. Der Amortisationszeitraum sei mit etwa zwei bis drei Jahren auch nicht zu lang. „Die Lichtausbeute bleibt dabei gleich, für die Augen sind die LEDs sogar besser, da sie Tageslicht erzeugen.
Spartipp Nummer 2: Dämmung und Isolierung
Unternehmen sollten den Stand ihrer Dämmung überprüfen. An Wänden, am Dach und auch im Keller. „Zu empfehlen sind mindestens zweifach isolierte Fenster, gut abgedichtete Fugen und gut isolierte Rohre“, so Energieberaterin Seibold. Zu überlegen ist auch, die Nutzung der Abwärme der Produktionsanlagen sowie von Kompressoren zum Heizen der Büros und der Fertigungshallen wie im oben angeführten Beispiel Irlbacher. Bei Toren lohnt sich das Anbringen eines Luftschleiers, der den Wärmeverlust mindert. Wer Tore und große Türen mit Bewegungsmeldern oder Fernbedienung steuern lässt, kann ebenfalls oft den Verlust der teueren Wärme vermeiden.
Spartipp Nummer 3: Heizung
„Man muss nicht immer gleich die ganze Heizungsanlage tauschen“, sagt IHK-Vizepräsident Stefan Rödl. Sparen könne man zum Beispiel schon durch eine neue Umwälz- oder Warmwasserzirkulationspumpe. Bei diesen Pumpen fließt sofort nach dem Aufdrehen des Hahns warmes Wasser. Auch diese Anschaffung rechne sich bereits nach zwei bis drei Jahren. „Diese Sparmöglichkeit ist für Unternehmen und Privathaushalte gleichermaßen interessant“, sagt Rödl. Für sehr sinnvoll hält er Heizungen, die auf Wärmepumpen basieren. Diese könnten im Winter heizen und im Sommer kühlen. „Man braucht also keine eigene Klimaanlage mehr.“ Er rät auch: Unternehmer sollten einen Blick auf unisolierte Heizungsrohre haben – in der Regel sind das echte „Energiefresser“. Falls in eine neue Heizung investiert wird, empfiehlt Andrea Seibold, Flächenheizungen mit in die Planung einzubeziehen: „Diese benötigen wesentlich geringere Vorlauftemperaturen, 40 bis 45 Grad statt 80 bis 95 Grad. Ein enormer Einspareffekt.“ Auch Deckenstrahler können sinnvoll sein: Sie erzeugen zwar nur eine Wärme von 11 Grad, werden aber als deutlich wärmer empfunden.
Spartipp Nummer 4: Produktionstechnik
Auch in der Prozesstechnologie gibt es große Einsparpotenziale, zum Beispiel in der Abwärme von Produktionsprozessen. Zusätzlich sollten Motoren und Pumpen von Zeit zu Zeit auf ihren Energie-Effizienz-Grad hin überprüft werden. „Ein Motor mit der Effizienzklasse A benötigt nur noch ein Drittel des Stromes“, erklärt Andrea Seibold. Oft zahlen sich die um etwa fünf Prozent höheren Investitionskosten bereits bei einer Laufzeit von fünf bis acht Jahren aus. In vielen Unternehmen kommen Kompressoren zur Druckluftgewinnung zum Einsatz. „Dort ist es wichtig, einfach ab und zu einmal zu überprüfen, ob die Luftleitungen dicht sind“, empfiehlt Stefan Rödl.
Spartipp Nummer 5: Bürogeräte
Eine Untersuchung der „Alliance To Save Energy“ ergab, dass 43 Prozent der Beschäftigten in Deutschland ihre Rechner nicht herunterfahren oder in den Schlafmodus versetzen, wenn sie nach der Arbeit nach Hause gehen oder in einem längeren Meeting sind. Allerdings sind Mitarbeiter von britischen Firmen (47 Prozent) und amerikanischen Unternehmen (49 Prozent) in dieser Hinsicht noch sorgloser. Die Gründe, weshalb Beschäftige Rechner durchlaufen lassen, sind vielfältig. Sie reichen von „das Hochfahren dauert sonst so lange“ über „ich vergesse es meistens“ bis hin zu „um Software-Updates zu ermöglichen“ oder „ich will von zu Hause oder unterwegs aus auf meinen Rechner zugreifen“. Die Unternehmen kostet das eine Menge Geld: Nach Schätzungen der Alliance to Save Energy lässt sich der Energiebedarf eines Rechners um 80 Prozent senken, wenn der Nutzer ihn abschaltet oder zumindest in den Energiesparmodus versetzt. Pro Jahr spart das bei jedem Computer an die 27 Euro. Das summiert sich: Deutsche Mitarbeiter verpulvern pro Jahr rund 900 Millionen Euro durch das Nichtausschalten von PCs. „Hier ist es wichtig, das Bewusstsein der Mitarbeiter zu schärfen“, sagt Andrea Seibold.
Spartipp Nummer 6: „Spar-Bewusstsein“
Energiespar-Investitionen müssen nicht teuer sein: Oft reicht es, das Verhalten der Mitarbeiter dafür zu schärfen. Dabei geht es nicht nur darum, nachts den Rechner auszuschalten. „Gehen Sie mit offenen Augen durch Ihr Unternehmen und schauen Sie sich einmal um“, rät Stefan Rödl. Müssen Türen und Fenster immer offen sein? Muss das Licht immer und überall brennen? „Solche Kleinigkeiten ergeben in einem durchschnittlichen Unternehmen ein Energiesparpotenzial von zehn Prozent.“ Heute wisse man, dass Stoßlüften sehr viel energiesparender sei als das Arbeiten mit abgekippten Fenstern.
Jens Henning
Wirtschaft konkret, März 2010