IHK-Umfrage Aus- und Weiterbildung: Der Mix macht den Unterschied

01.05.2012

Firmenfoto

Wie steht es um Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt? Das wollte die IHK in ihrer Umfrage Aus- und Weiterbildung 2012 von Ostbayerns Wirtschaft wissen.

Mitten in den Ferien startete die Krones AG in Neutraubling einen Azubi-Blog auf Facebook – Azubis bloggen dort für potenzielle Azubis. „Uns ist besonders wichtig, dass die Auszubildenden dort die Gelegenheit bekommen, selbstständig über ihre Erlebnisse während der Ausbildung bei Krones zu berichten“, sagt Projektleiter Andreas Blauig. Mögliche Bewerber sollen einen ehrlichen und authentischen Einblick in das Unternehmen bekommen. „Dazu eignen sich die sozialen Medien ganz hervorragend. Hier haben wir die Möglichkeit, nicht nur unsere Produkte näher zu erläutern, sondern auch die Menschen dahinter in den Vordergrund zu rücken“, so Blauig.

Mehr als jedes zweite Unternehmen in Ostbayern setzt heute aktiv auf das Internet, um Auszubildende für sich zu gewinnen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Umfrage Aus- und Weiterbildung 2012 im Bezirk der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim, die im Rahmen einer deutschlandweiten Befragung aller IHKs stattfand. Fast jede Firma stellt heute offene Stellen auf die eigene Homepage, oft spricht ein eigener Karrierebereich die jungen Leute direkt an. Bei weitem nicht alle Unternehmen setzen indes so vehement auf soziale Medien wie Krones das macht. Dennoch geben immerhin schon 21,4 Prozent der Firmen, die das Internet fürs Personalmarketing nutzen, an, dass sie ihre Auszubildenden auch über soziale Netzwerke gewinnen konnten. Dahin gehen, wo sich die Zielgruppe aufhält und sich der als attraktive Arbeitgebermarke positionieren. Das funktioniert online wie offline gleichermaßen.

Früh in die Schulen
Immer wichtiger wird der frühe persönliche Kontakt zum potenziellen Bewerber. Jeden Herbst beginnen rund zwölf junge Menschen bei der Bionorica AG in Neumarkt ihre Ausbildung. Damit das mittelständische Pharmaunternehmen die Plätze mit guten Leuten besetzen kann, organisiert die Leiterin der Berufsausbildung Christina Eichinger interne Events wie den „Tag der Ausbildung“ oder den „Girls‘ Day“. Sie ist außerdem in der Region unterwegs. „Wir präsentieren uns auf den Ausbildungsmessen im Umkreis und gehen direkt in die Schulen.“ Bei Bionorica lernen junge Chemielaboranten und Kaufleute ihr Können. Die meisten Azubis aber sind angehende Pharmakanten – ein Berufsbild, das nur wenigen Schülern bekannt ist. „Bei den Schulbesuchen kommt deshalb meist ein Azubi mit, der diesen Beruf persönlich vorstellt.“ Das wecke das Interesse der Schülerinnen und Schüler, beobachtet Eichinger, die für Herbst 2012 schon alle Pharmakanten- Stellen besetzt hat.

Bewährtes hat Bestand
Mundpropaganda bleibt das A und O. „Gerade bei uns im ländlichen Raum kommen viele Bewerbungen aufgrund von persönlichen Empfehlungen“, beobachtet Personalmanagerin Silvia Pongratz von der WB Compagnie GmbH in Furth im Wald. Das Unternehmen beschäftigt rund 100 Mitarbeiter. Marken und Textilien, von Sportswear über Outdoor bis zum Plüschhasen fürs Firmen-Merchandise, umschreiben die Kundenwelt des Spezialisten für das Distributions- und Lizenzgeschäft. Kürzlich erst wurde mit Miriam Wittmann eine Auszubildende der Further Firma von der IHK als beste Kauffrau im Groß- und Außenhandel in der Region geehrt. Für Personalmanagerin Pongratz ist das eine willkommene Werbung. „Gerade dieser Beruf ist für unser Unternehmen wichtig, weil unsere Geschäftsansätze und unsere Logistik immer internationaler werden.“

Nach wie vor gehört, neben der Meldung offener Ausbildungsplätze bei der Agentur für Arbeit, die klassische Stellenanzeige in der Regionalzeitung zum Portfolio einer gelungenen Azubi-Akquise. 58,9 Prozent der befragten Unternehmen geben in der IHK-Umfrage an, dass sie weiterhin Print-Annoncen schalten. Ausbildungsmessen besuchen knapp 38 Prozent aller Unternehmen, ihre Auszubildenden bekommen 39 Prozent der Befragten auch über Serviceangebote der IHK, etwa die Online-Lehrstellenbörse www.ihk-lehrstellenboerse.de.

Eigene Kräfte mobilisieren
Die Unternehmen müssen schon deswegen heute mehr tun, weil, demografisch bedingt, die Bewerberzahlen sinken. „In den letzten Jahren mussten wir feststellen, dass viele junge Menschen den Landkreis verlassen“, beobachtet die Personalerin Pongratz von WB Compagnie. Umso wichtiger ist es für sie, fürs zukünftige Personal auf die eigene Ausbildung zu setzen. Zwar beginnen jährlich nur zwei bis drei Azubis, es gehe jedoch darum, „nicht für den Markt auszubilden, sondern wir wollen unsere Leute, die super Fachkräfte sind, auch langfristig behalten“, sagt sie.

Das Potenzial zur Fachkräftegewinnung steckt oft auch in den Firmen selbst. 61,4 Prozent der Befragten geben an, dass sie mittelfristig, um auf die steigende Zahl in Rente gehender Mitarbeiter reagieren zu können, verstärkt auf die betriebliche Weiterbildung setzen. Die Durchlässigkeit des dualen Ausbildungssystems bietet dabei heute viele Vorteile. So gibt es bei Bionorica seit drei Jahren ein duales Studium. Die ersten beiden Studentinnen stehen jetzt kurz vor dem Abschluss. Ihr Studium für Health-Care- Management verknüpft BWL mit Naturwissenschaften – für das Oberpfälzer Pharmaunternehmen ist das eine maßgeschneiderte Ausbildung. Im Dreimonats-Rhythmus wechseln die Frauen zwischen dem Einsatz in der Firma und dem Studium an der Dualen Hochschule im Baden-Württembergischen Lörrach.

Vom dualen Studium erhofft sich Bionorica viel. „Wir ziehen damit unsere Nachwuchsführungskräfte heran.“ Und noch einen Vorteil bietet das duale Studium: „Durch den Mix an Ausbildungsmöglichkeiten stellen wir uns als attraktiver Arbeitgeber auf“, sagt Eichinger. Das Credo laute: Vom Mittelschüler bis zum Abiturienten kann bei Bionorica jeder eine Karriere starten.

Peter Burdack

Wirtschaft konkret, Mai 2012